„Die Stimme“
von Uganda nach Ottensen: Über den Sänger Joel Ming
von Anke Hinrichs
Dass er Musik liebt, wissen die KäuferInnen des Ottensener Mitglieder-Bioladens Warenwirtschaft schon lange. Und sie genießen es bis heute, wenn Joel Ming beim Befüllen der Gemüsekisten oder an der Kasse vor sich hin singt. Auch wenn er seine Ausbildung zum Verkäufer von Biowaren inzwischen abgeschlossen hat und nicht mehr so regelmäßig vor Ort ist. „Eine Stimme aus Honig“, sagen manche – für andere ist es „eine Stimme, die direkt ins Herz geht“. Die haben inzwischen auch viele andere schätzen gelernt, tritt er doch auch außerhalb des Ladens als Singer-Sonwriter und Musiker auf.
Die Musik wurde ihm sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Joel stammt aus Jinja, einer Stadt im Südosten Ugandas. Als drittältester von acht Geschwistern wurde er musikalisch vor allem von seiner Mutter geprägt, mit der er bis heute täglich telefoniert. Eine schöne Frau, „sehr lustig“, sagt er und zeigt ein Foto von ihr.
In der Familie wurde viel gesungen und musiziert
Beide Eltern waren Prediger einer orthodoxen Kirchengemeinschaft, erzählt er. In der Familie wurde viel gesungen; zu Hause standen ein Keyboard und eine lokale Trommel. Die Mutter schrieb eigene Songs und ließ die Kinder mitsingen, „um zu hören, wie es klingt“, sagt Joel. Einen Fernseher gab es nicht – Musik war eine Hauptbeschäftigung. Bis er 16 war. Dann wurden die Schulgebühren zu teuer und er begann zu arbeiten, lebte nicht mehr regelmäßig zu Hause.
Er habe viel erlebt, lernte die falschen Leute kennen, sagt er auch. Über die Kirche kam er schließlich in ein Waisenhaus, wo er Nachhilfe gab und viel Musik machte. Und sich in eine Deutsche verliebte, die dort arbeitete. So kam er schließlich nach Hamburg.
Deutsch brachte er sich hier vor allem über das Fernsehen bei, erzählt er, suchte Anschluss an andere Musiker und gab wieder Nachhilfe in Englisch. Sein erster Auftritt in Deutschland war bei einem Geburtstag in Blankenese – ein voller Erfolg, berichtet er. Weitere Anfragen folgten.
Musikalisch bewegt er sich zwischen Blues, Country und Soul
Joel spielt Piano, Akustikgitarre, Bass, Schlagzeug und Handpan. Häufig wird er für Hochzeiten gebucht. Auch in Lüneburg trat er mehrfach auf, unter anderem in einem Fünf-Sterne-Hotel. Sein Traum: Auftritt auf einem Festival. Musikalisch bewegt er sich zwischen Blues, Country und Soul. Neben vielen Coversongs hat er auch eigene Songs geschrieben.
Er lebt heute in Hasselbrock. Musik macht er am liebsten draußen, wegen der Nachbarn. Das Leben in Deutschland sei manchmal kompliziert, sagt er, und meint, dass Musikspielen zeitlich so geregelt sei, dass man sie nur tagsüber und nicht nach der Arbeit ausüben könne.
Wie es weitergeht? „Ich weiß nicht, was die Zukunft für mich bereithält. Ich lebe im Moment – morgen ist noch nicht geboren.“ Aber eines weiß er sicher: Er will mehr Musik machen, mehr Konzerte geben – aber hauptberuflich träumt er von einem ganz anderen Metier: Er will zur Feuerwehr. „Ich liebe Bewegung, etwas mit Power“, erklärt er.
Am 30. Januar tritt Joel Ming - gemeinsam mit der Sängerin Verena (Folk) - beim Kölibri Küchenkonzert in St. Pauli auf. Die Küchenkonzerte finden an jedem letzten Freitag im Monat statt und verstehen sich als „Nachbarschaftliches Dinner mit Musik“. Nachbarn kochen Gerichte „von Kartoffelsuppe bis Falafel. Der Eintritt ist frei - jeder spendet soviel er kann in die Kochmütze.
30. Januar, 19.30 bis 22 Uhr, Hein-Köllisch-Platz 11+12,
Tel. (040). 3193623
Hier kommt ihr zu der Veranstaltungshomepage:
https://gwa-stpauli.de/termin-detail/termin/koelibri-kuechenkonzert-30-1-26/
Weiterführende Links:
Hier könnt Joel Ming auf Instagram-Account folgen:
Joel Ming 🇺🇬 🇩🇪 (@joelming.official) • Instagram-Fotos und -Videos
Hier kommt ihr zur Homepage von Joel Ming: