Holsten-Areal: Neustart unter Dach und Fach - 2.000 neue Wohnungen geplant
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von A. Hinrichs
Nach neun Jahren Stillstand kann es jetzt endlich losgehen mit der Entwicklung des neuen Wohnquartiers Holsten-Areal. Ende Oktober verkaufte die angeschlagene Adler Group das 86.000-Quadratmeter große ehemalige Brauereigelände gegenüber der Mitte Altona an ein Hamburger Konsortium. Dieses besteht aus der Quantum Immobilien AG, Hanse-Merkur Grundvermögen und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Saga. Der Kaufpreis soll 130 Millionen Euro betragen haben. Das sind weniger als die rund 150 Millionen Euro beim Erstverkauf 2016. Danach trieb Spekulation den Preis zwischenzeitlich in schwindelerregende Höhen (siehe auch den ausführlichen Bericht über die bisherige Entwicklung in unserem Heft Nummer 4).
Doppelt so viele Wohnungen und mehr öffentliche Förderung
Geplant sind jetzt 2.000 Wohnungen für über 5.000 Menschen – fast doppelt so viele wie zunächst vorgesehen. Die Hälfte soll öffentlich gefördert und bezahlbar sein. Das ist ebenfalls mehr als der einst geplante übliche Drittelmix aus Sozialwohnungen, frei finanzierten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen.
Auch kritische Stimmen wie die Initiative „knallt am dollsten“ sehen den Verkauf grundsätzlich positiv und sprechen von einem „Anlass zu Freude und vorsichtiger Hoffnung“, bleiben aber skeptisch. Die Initiative und die Mietervereine fordern daher, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutzt, um die Kontrolle über eine sozialere und ökologischere Gestaltung des Quartiers zu behalten und die Mietpreise für 100 Jahre festzuschreiben. Normalerweise endet die Mietpreisbindung nach 30 Jahren, was aktuell problematisch ist, da viele Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Die Initiative fordert daher auch mehr, nämlich zwei Drittel der neuen „Holsten-Wohnungen“ öffentlich zu fördern.
Unklarheit über die Zukunft des historischen Gebäudebestands
Laut dpa wollen die Käufer eine Milliarde Euro in das Holsten-Areal investieren, das bis 2030 fertiggestellt sein soll. Ein Teil der historischen
Brauereigebäude soll erhalten bleiben, heißt es in offiziellen Angaben. Bei Kritikern schrillen da die Alarmglocken. Denn: Die Initiative „knallt am dollsten“ und der Denkmalverein setzen sich aus historischen und ökologischen Gründen für den Erhalt des gesamten Restbestands an historischen Gebäuden ein – auch aus ökologischen Gründen.
Der Klimaschutz scheine in den Planungen zu kurz zu kommen. Die geplante höhere Zahl an Wohnungen sei angesichts des Bedarfs zwar grundsätzlich positiv, doch bleibe unklar, wie dies in einem bereits dicht besiedelten Gebiet gelingen soll, ohne ökologische Standards und Grünflächen zu opfern. Auch um bereits ausgearbeitete Empfehlungen für eine inklusive Ausgestaltung wird gefürchtet. Diese müssten in die neue Planung einfließen, und der neue „Hamburg-Standard“ beim Bauen (reduzierte Anforderungen für günstigere Preise) dürfe nicht zulasten von Menschen mit Beeinträchtigungen oder älteren Menschen gehen.
Initiative sieht „Riesenchance für einen Neuanfang“
Wie geht es weiter? Dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutzt, gilt als unwahrscheinlich. Eine Sprecherin der Finanzbehörde erklärte dem Hamburger Abendblatt, dass die Stadt über die Saga bereits maßgeblich in die Entwicklung des Holsten-Areals eingebunden sei, weshalb ein Vorkaufsrecht wenig sinnvoll erscheine. Interessant ist, was im „Letter of Intent“, der vorherigen Absichtserklärung, zwischen Stadt und Käufer/Verkäufer vereinbart wurde. „Knallt am dollsten“ vermutet offenbar, dass die Stadt darin auf ihr Recht verzichtet hat und fordert Transparenz über die Inhalte.
Als Nächstes müssen nun ein neuer städtebaulicher Vertrag und ein Bebauungsplan erstellt werden. „Knallt am dollsten“ sieht darin eine „Riesenchance für einen Neuanfang“: „Es ist der Beginn einer neuen Etappe, in der entschieden wird, ob auf dem Holsten-Areal ein wirklich soziales, inklusives, diverses und geschichtsbewusstes Quartier entsteht – oder nicht. Wir appellieren an die Politik, ihren Gestaltungsauftrag mutig im Sinne einer gemeinwohlorientierten und solidarischen Stadtentwicklung wahrzunehmen. Und wir laden alle ein, zusammen mit uns für diese Ziele zu kämpfen“, so Initiativen-Sprecher Theo Bruns.
Anm. d. Red.:
Am Mittwoch den 3. Dezember um 18 Uhr findet die erste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses in Altona statt. Auf der Sitzung sollen erste Planungen zum zukünftigen Holstenquartier vorgestellt werden.
https://bv-hh.de/altona/meetings/03-12-2025-sitzung-des-stadtentwicklungsausschusses-6409