Quietschkurve vor dem Aus?

Warum aus der High Line nichts wird – und für ein Bahnbrücken-Industriedenkmal das Geld fehlt

v. A.Hinrichs

 

Wer einmal darauf flaniert ist, gerät ins Schwärmen über den grünen Weg, der sich auf einer stillgelegten Bahntrasse durch den Westen Manhattans zieht – ein Ort, der Natur, Kunstinstallationen und urbane Architektur auf engem Raum verbindet und zwischendurch den Blick auf die Skyline und den Hudson River freigibt.

2,6 Kilometer lang und 7,5 Meter über dem Boden gelegen, gilt die 2009 eröffnete New Yorker High Line weltweit als Vorbild für die Umnutzung alter Infrastruktur. Und von der Idee her hätte sie auch ein Pendant in Altona-Mitte finden können. Doch der Traum ist geplatzt – die Umsetzung scheitert an Realitäten und am Geld. Und inzwischen steht sogar der komplette Abriss der  „Quietschkurve“ im Raum, wie die auf Stelzen gebaute eingleisige Brücke genannt wird, auf der bis heute Züge rattern, die aber nach Verlegung des Bahnhofs weg aus Altona nicht mehr benötigt wird. 

Dabei wirkte die von den Grünen ins Feld geführte und per Visualisierung (s. Foto) sichtbar gemachte Idee einer Fußgängerpromenade auf den geschichtsträchtigen Gleisen verlockend – zumal sie zuletzt durch ein Plattformmodell ergänzt wurde:  Teile der abgerissenen  Altonaer Sternbrücke, die aktuell durch einen Neubau ersetzt wird, sollten so an das Bahnviadukt geschweißt werden, dass eine spektakuläre Aussichtsplattform oberhalb des Parks entsteht.   Das erschien auch mit Blick auf mögliche Olympische Spiele als hoch attraktive Touristenattraktion. So wurde aus Wunsch schließlich politischer Wille: im Herbst unterstützten SPD, Volt und FDP  den Antrag der Grünen im Bezirk. 

Für Christian Trede, Grünen-Abgeordneter und selbst Stadtplaner, ist der Erhalt der alten Bahnsubstanz identitätsstiftend, zumal doch jeder schon mal über diese Gleise nach Altona rein- und rausgefahren sei.   

Doch gegen das Modell sprechen  erhebliche Machbarkeitsprobleme. Nach eingehender Prüfung durch die Stadtentwicklungsbehörde – einschließlich Gutachten und Beratungen im Stadtentwicklungsausschuss – wurde deutlich: Nicht nur, dass aus der „High Line“ mit Plattform nichts wird – inzwischen steht auch der – zumindest teilweise - Erhalt der „Quietschkurve“  infrage.

Gegen das Gesamtkonzept sprechen neben mehreren anderen praktischen Einwänden  folgende Punkte: den Abriss eines hinteren Teils hat die Bahn bereits fest eingeplant, und die Breite von nur fünf Metern reiche nicht für einen Fuß- oder Radweg aus, machte  eine Vertreterin der Stadtentwicklungsbehörde deutlich. Eine Integration der Sternbrücke scheitert – unter anderem - daran, dass der alte Stahl gar nicht erneut verschweißt werden kann.

Kann aber nicht zumindest das Bahnviadukt  in Fragmenten als  Industriedenkmal erhalten bleiben?  Dagegen sprechen finanzielle Gründe. Die Gesamtkosten für Abriss und Neubau seien auf 7,5 Millionen, die jährlichen Kosten „in der Maximalvariante“ auf 60.000 Euro geschätzt worden, so Christian Trede.   Angesichts klammer Kassen sprachen sich daraufhin   sowohl Senatsbehörden als auch der Bezirk für einen Abriss der Quietschkurve aus – dem schlossen sich schließlich auch FDP und Linke an.

War‘s das nun? CDU-Fraktionschef Sven Hielscher sah sich in seiner Skepsis bestätigt; er hatte das Projekt bereits im Vorjahr als „Schnapsidee“ bezeichnet. Die Grünen-Fraktion ist  weiter für den Erhalt von Teilen der Stelzenbrücke als Industriedenkmal. Aber nicht mit öffentlichen Geldern, sondern nur wenn es „externe Mittel“ dafür gibt. Sprich: wenn sich ein Sponsor findet. Christian Trede: „Ich habe mein Bestes getan.“ 

 

Hier könnt ihr die Entwürfe von der AGHorizont/Die Grünen Bezirksfraktion Altona anschauen: